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Bester Fragensteller * Beste Führungskraft

#04 in 2020

Reden ist Silber – Zuhören ist Gold!

Bereit für einen Schnellcheck wie gut Sie drauf sind bei diesem Thema? Wenn Sie die Übung genau so durchführen wie beschrieben, werden Sie vermutlich erschüttert und / oder frustiert sein.

Nehmen Sie bitte Papier und Stift zur Hand. Mobiles Gerät auf Flugmodus und Timer auf 60 sec. Hier kommt die Aufgabe:

Schreiben Sie Ihre 3 BESTEN offenen Fragen auf, die Sie zum Beispiel am Montag morgen zum Wochenbeginn stellen können.

START.

60 Sekunden später.

Ernüchterung folgt auf dem Fuße

Bestimmt habe ich diese Übung mit mehr als 5.000 Führungskräften auf allen Ebenen gemacht. Die Ernüchterung duftet bis heute in mir nach wie die Nudelbox beim Asia Grill :) . Es muss aus mir heraus. Je höher die Führungsebene war, um so schockierter waren die Gesichter. Dicke Gehälter korrespondieren halt gerne mit der Größe des allwissenden, „ich hab’s drauf“ Ego. Für Sie trifft das sicher nicht zu. Warum? Große Egos finden meinen Blog nicht lesenswert. Moment, ich grinse genüsslich zu Ende.

Ich versuche eine wertfreie Darstellung der Ergebnisse aus den 60 Sekunden vorzunehmen. Dazu eignen sich 3 Kategorien.

K1
Das ist die Abteilung ohne Kenntnisse über Fragetechniken überhaupt. Offene oder geschlossene Frage, ach so, da gibt es einen Unterschied. Das war mir nicht bewusst, dass die Antwort nur JA oder NEIN sein wird. Dementsprechend sehen auch die 3 (im besten Falle) Fragen aus.

Beispiele:

  • Hatten Sie ein gutes Wochenende?
  • Fand das Gespräch mit dem Kunden am Freitag noch statt?
  • Werden Sie mit dem Projekt X diese Woche fertig?

K2
Es tauchen 2-3 offene Fragen auf. Auf Nachfrage sind diese aber eher ein Zufallsprodukt. Vom inhaltlichen Qualitätsniveau schmecken Sie eher wie ein abgehalftertes Weißmehlbrötchen an der Autobahnraststätte für 4,90 Euro.

Beispiele:

  • Wie war ihr Wochenende?
  • Wie geht es dir heute Morgen?
  • Was liegt an diese Woche?

K3
Ungefähr 1 Person von 30 landet in dieser Kategorie. Diese Trefferquote macht diesen Menschen, Führungskraft seines Zeichens, zu einer raren Spezies. Das sieht doch nach einem frisch belegten Mehrkornbrötchen beim Marché Markt aus. Müssen Sie unbedingt probieren. Gibt es hier und da an der Autobahn.

Beispiele:

  • Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Punkte beim Kundengespräch am Freitag?
  • Was muss diese Woche passieren, damit Sie am Freitag entspannt in das Wochenende gehen können?
  • Wo kann ich Sie diese Woche am besten unterstützen?

 

Spüren Sie den Unterschied? Diese Frage ist geschlossen. :) Mist! Rundablage! Stop!

Welchen Unterschied werden diese Beispielfragen wohl beim Gegenüber bewirken im Vergleich zu K2? Think it over. Jetzt geht das Leuchtmittel an im Gehirn, hoffentlich! Megagrins.

Warum gebe ich nur 60 Sekunden Zeit?

Ganz einfach. Diese kurze Zeitspanne versetzt Ihr Gehirn in einen kleinen Leistungsstress. Und unter Stress können Sie nur abrufen, was sich im Routinespeicher, sprich sehr oft geübt wurde, befindet. Da bei den allermeisten, also bei den 29 Personen, diese Übung fehlt, kommt es zu den genannten Ergebnissen. Keine Raketenwissenschaft, oder? Geschlossene Suggestivfrage ohne Erwartung einer Antwort J. Das Feld der Fragerei ist riesig.

Wer fragt, führt!

Und schon landen wir bei Führung. Wo wird denn Fragetechnik wirklich ausgebildet? Und wo wird Führung wirklich ausgebildet? In der Schule und im Studium auf jeden Fall noch nicht. Mich hat es immer schon fasziniert, wie ich mit Fragen das Potential vom Menschen aufschließen konnte.

Ja, offene Fragen brauchen mehr Raum und Zeit. Und von beidem haben Leader ja zu wenig, zumindest wird mir das immer erzählt. Ich weiß schon, 20 Jahre Führungserfahrung lassen mich dazu eine Meinung haben. Für mich ist es eine Frage der Haltung und der Effizienz.

Wenn ich tolle, offene Fragen stelle, wird das auf eine wertschätzende Kommunikation einzahlen. Und das wiederum füttert den Erhalt des Motivationskontos. So einfach ist das. Sehen Sie die Zeit dafür doch mal als unternehmerische Investition. Sie bekommen das mehrfach zurück.

Mein Lieblingspunkt: Ideen-Flow. Offene Fragen zapfen die Kreativität Ihrer mitarbeitenden Menschen an. So viel Potential schlummert in den Menschen, sie wollen nur anständig gefragt werden und ZACK übernehmen sie Verantwortung.

2 Ohren + 1 Mund = ???

Sie können doppelt so gut zuhören wie sprechen. Die besten offenen Fragen zapfen NICHTS an, wenn Sie Ihre Klappe nicht halten können. Ein sauberer Pareto ist hier die Marschrichtung. 20% geile Fragen stellen und 80% AKTIV zuhören. Kennen Sie den feinen Unterschied, den das Adjektiv AKTIV macht? Ja, ich weiß, eine geschlossene Frage. Googeln Sie es oder sehen sich auf der Seite der Karrierebibel um.

Achtung: Weder die Sache mit dem AKTIV zuhören noch die WUNDERBAREN offenen Fragen fallen Ihnen einfach zu. Es braucht Übung. Und nur Üben übt! Chancen dazu gibt es überall, auch beim Bäcker morgens. „Ist da Weizen im Brötchen“ versus „Wie hoch ist der Weizenanteil in diesem Brötchen“... oh, ich habe damit überall meinen Spaß.

Der Dialog mit dem Gegenüber verbessert sich dramatisch. Das kann ich Ihnen versprechen.

Praxisfährte für das tägliche Training

Woche 1
Sie sammeln über die gesamte Woche offene Fragen. Es startet immer mit den W’s.
Wer + Wieso + Warum + Woher + Was + Wie + Wo .... usw.

Woche 2
Für jeden Tag formulieren Sie eine kraftvolle Frage in Richtung Mitarbeiter. Denken Sie daran, je besser Ihre Frage ankommt, um so größer die Chance an das Potential Ihres mitarbeitenden Menschen zu kommen.

Eine meiner Lieblingsfragen lautet: Welche Idee haben Sie zu xxx?

Woche 3
Sie verwenden 3 gezielte Fragen pro Tag und erweitern die Adressaten. Jetzt binden Sie auch Kunden, Vorgesetzte und Kollegen ein.

Mein absoluter Favorit an Vorgesetzte war immer: Welchen Beitrag leistet diese Maßnahme zu unserem geplanten Ergebnis? ODER: Was nutzt uns dieses Vorhaben? :) Das hat den Chefs oft den Stecker gezogen.

Woche 4
Sie nehmen sich 1h Zeit für ein Review der letzten 3 Wochen UND legen fest, wie es in Woche 5 weitergeht.
Dranbleiben und üben, das lohnt sich so was von!!!! Los, checken Sie sich selbst ein in dieses kleine Projekt.

 

Fußnote am Ende
Und wenn Sie zu denen gehören, die den kleinen Test zu Beginn nicht gemacht haben, wünsche ich Ihnen eine gesunde Portion selbstkritisches Hinspüren. Welche innere Stimme meldet sich gleich? Das kann ein wertvolles Hinweisschild sein.

Wenn Sie aus Zeitgründen nicht mitgemacht haben, atmen Sie wenigstens jetzt 1 Minute durch und schließen dabei die Augen. Vielleicht haben Sie zu viel Stress. Alles Gute wünsche ich Ihnen.

DANKE

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich über eine Weiterempfehlung meiner Bloghütte. Welche Themen interessieren Sie? Schreiben Sie mir gerne Ihre Gedanken zu dieser offenen Frage. :)

DANKE sage ich auch für Ihre investierte Lebenszeit.

Herzlichst,

Uwe

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